Definition
Im Direct-to-Dealer-Modell bekommt der Händler die Bestellung erst nach abgeschlossener Zahlung. Stripe Express hat die Transaktion verifiziert, der Endkunden-Kaufpreis ist auf dem Treuhandkonto. Der Händler muss nur noch kommissionieren, verpacken und versenden, keine Bonitätsprüfung, kein Inkasso, keine Rechnungsstellung.
Was der Händler im D2D-Prozess macht
Onboarding (einmalig): Stripe-Express-Account einrichten, 15 Minuten. Konditionen mit dem Hersteller bestätigen, Versandregeln definieren.
Bestellannahme: Eingehende fertig bezahlte Bestellung im Händler-Portal sehen. Produktverfügbarkeit bestätigen.
Versand: Aus eigenem Lager kommissionieren, verpacken, versenden. Tracking-Nummer einpflegen, Endkunde informiert.
Was "fertig bezahlt" konkret heißt
Im klassischen Online-Handel akzeptiert der Händler die Bestellung des Endkunden, prüft die Bonität (bei Kauf auf Rechnung), wickelt die Zahlung ab (PayPal, Kreditkarte, SEPA), stellt eine Rechnung aus, mahnt bei Zahlungsverzug, und verschickt erst dann oder parallel die Ware. Das ist viel Reibung, viel Zahlungsausfall-Risiko, viel Inkasso-Aufwand.
Bei D2D bekommt der Händler die Bestellung erst, wenn der Endkunde bereits bezahlt hat. Stripe Express hat die Zahlung verifiziert, der Hersteller hat seinen Plattform-Anteil entnommen, der Händler-Anteil ist bereits in dessen Stripe-Konto. Der Händler verschickt nur, der Geldfluss ist abgeschlossen.
Wegfallende Händler-Funktionen
Bonitätsprüfung entfällt. Stripe hat die Zahlung autorisiert; der Händler trägt kein Ausfallrisiko.
Inkasso entfällt. Es gibt keine offenen Rechnungen, keine Mahnstufen, kein Inkasso-Verfahren bei Nicht-Zahlung.
Rechnungsmanagement entfällt. Die Rechnung entsteht beim Hersteller (er ist Vertragspartner). Der Händler bekommt eine Auftragsbestätigung, keine Rechnung.
Zahlungsabwicklung entfällt. Stripe macht das. Der Händler sieht im Dashboard nur "Auszahlung XX,YY EUR am DD.MM.".
Was beim Händler bleibt
Verbleibende Funktionen: Kommissionierung, Verpackung, Versand. Optional: Endkundenkommunikation zur Lieferung ("Ihr Paket wird heute versendet"). Der Versand-Service-Anteil bleibt vollständig beim Händler, was Vertrauen und Kundenbeziehung über die Versanderfahrung weiter ausbaut.
Im Detail heißt das: Der Händler arbeitet sein Tagesgeschäft (Lager, Versand) unverändert, aber ohne den Verwaltungs-Overhead, den der eigene Online-Shop sonst verursacht.
Geld-Flow-Architektur via Stripe Express
Stripe Express ist die Marketplace-Architektur von Stripe (auch bekannt als Stripe Connect Express). Funktionsweise: Der Hersteller betreibt ein Stripe-Plattform-Konto. Jeder Händler bekommt ein an dieses Konto angeschlossenes Express-Subaccount.
Bei einer Bestellung über 100 EUR fließt der Geldstrom so: Endkunde zahlt 100 EUR an Plattform. Plattform-Fee (z. B. 3 EUR = 2 % + 1 €) bleibt beim Hersteller. Händler-Marge (z. B. 25 EUR, vom Hersteller pro Händler definiert) wandert in das Express-Subaccount. Hersteller-Restbetrag (72 EUR) bleibt am Plattform-Konto.
Auszahlungen vom Express-Subaccount an das Händler-Bankkonto erfolgen automatisiert in der vom Händler gewählten Frequenz (täglich, wöchentlich). Stripe übernimmt KYC, Steuermeldungen, Buchführungs-Exporte.
Onboarding eines Händlers
Ein neuer Händler wird vom Hersteller über das Dashboard eingeladen (E-Mail-Link). Der Händler klickt den Link, durchläuft das Stripe-Express-KYC (5 Minuten: Firmenname, Steuer-ID, Bank-IBAN, Identitätsnachweis). Im Anschluss erscheint der Händler im Hersteller-Dashboard und kann Bestellungen empfangen.
Gesamt-Aufwand vom Versand der Einladung bis zur ersten möglichen Bestellannahme: typischerweise 15–30 Minuten Händler-Zeit, plus 1–2 Werktage Stripe-Verifikation.